Mythos Vollmond

Was ist dran an den behaupteten Auswirkungen auf den Menschen?

19.06.2008 Alexandra Döll

Sowohl von wissenschaftlicher Seite als auch von Privatpersonen wird in diversen Foren teilweise behauptet, dass der Vollmond verschiedene Auswirkungen auf Menschen hat.

Angeblich sollen Menschen kurz vor oder bei Vollmond wesentlich gereizter, aggressiver, depressiver, krankheitsanfälliger, schmerzempfindlicher u. ä. sein. Manche Menschen sagen von sich, dass sie bei Vollmond schlecht schlafen, einige halbwissenschaftliche Theorien behaupten, dass es gerade bei Vollmond zu einem Anstieg von Verkehrs- und Arbeitsunfällen kommt. Geisteskranke sollen angeblich bei Vollmond schwieriger sein als zu anderen Zeiten des Monats, auch die Zahl der Gewalttaten soll sich in Vollmondnächten steigern. Viele Gruselgeschichten bauen ihre Unheimlichkeit auf dem Vollmond auf, insbesondere in Bezug auf Werwölfe, die angeblich nur bei Vollmond umgehen.

Wissenschaftliche Grundlagen

Es ist erwiesen, dass der Mond die Gezeiten der Meere und Ozeane steuert. Ebenso konnte durch wissenschaftliche Beobachtungen nachgewiesen werden, dass viele Tiere ihren Fortpflanzungszyklus nach dem Mond ausrichten. Maßgeblich ist hierbei jedoch nicht der monatliche, sondern der jährliche Zyklus des Mondes. Viele Seevögel suchen immer wieder zur gleichen Zeit, oft beim ersten Frühlingsvollmond, die gleichen Brut- und Nistplätze auf.

Vom Vollmond spricht man, wenn Mond und Sonne in Opposition zueinander stehen. Bei Neumond hingegen steht der Mond genau zwischen Sonne und Erde und ist somit für die Menschen nicht sichtbar.

Die Furcht vor dem Vollmond

Es gibt eine relativ kleine Gruppe von Menschen, die sich sogar vor dem Vollmond fürchten und nach Möglichkeit die Fenster ihrer Wohnung so abdunkeln, dass sie weder ihn selbst noch sein Licht sehen müssen. Dies hängt sicherlich mit einigen Mythen (wie z. B. dem Werwolf) zusammen, oft verstärken weitere, aus Gruselgeschichten und -filmen bekannte Attribute die Angst noch wie etwas das Jaulen eines Hundes, die Laute einer Eule, das Erblicken von Fledermäusen, die in der Nacht lediglich ebenfalls nachtaktive Insekten (Mücken, Motten) jagen.

Belegbarkeit von Theorien

Rein wissenschaftlich konnte die Theorie einer erhöhten Anzahl von Arbeits- und Verkehrsunfällen nicht bestätigt werden, ganz im Gegenteil. Angeblich soll die Zahl der Unfälle bei Vollmond sogar leicht unter dem Durchschnitt liegen.

Auch weitere Theorien wie die Erhöhung der Geburtenrate bei Vollmond oder eine schmerzhaftere bzw. besonders starke Regelblutung bei Frauen konnten bisher wissenschaftlich nicht verifiziert werden.

Dennoch wenden viele Menschen ein, dass sie bei Vollmond schlechter schlafen als in anderen Nächten. Oft stellen sich Schlafstörungen in Vollmondnächten jedoch gerade dadurch ein, dass derjenige bereits unbewusst darauf wartet, schlecht ein- und durchschlafen zu können. Schon alleine die Vermutung des Kausalzusammenhangs zwischen Mondphase und Schlafqualität kann zu einer Beeinträchtigung führen. Umgekehrt gibt es eine Reihe von Menschen, die sogar von sich behaupten, bei Vollmond besonders gut schlafen zu können oder die überhaupt keinen Zusammenhang zwischen dem Mond und ihrer Schlafqualität herstellen. Einige wenige Personen sagen sogar, dass sie bei Neu- oder Halbmond schlechter schlafen als bei Vollmond. Untersuchungen konnten jedoch keinen Kausalzusammenhang zwischen den einzelnen Mondphasen und etwaigen auftretenden Schlafstörungen herstellen.

Es ist zu vermuten, dass es eine Reihe von Menschen gibt, die aus nicht näher erforschten Gründen „mondfühliger“ sind als andere, ähnlich wie es auch besonders wetterfühlige Personen gibt, so dass die Gründe für bestimmte körperliche und/oder psychische Reaktionen auf den Vollmond eher individuell sind und variieren können.

Bezüglich der vermeintlich höheren Gewaltbereitschaft in Vollmondnächten ist festzustellen, dass diese Vermutung eher auf der Beobachtung einzelner Personengruppen beruht als auf wissenschaftlichen Prinzipien. Wenn es beispielsweise ausgerechnet in einer Vollmondnacht zu einem blutigen Familiendrama kommt, wird dafür der Mond als Auslöser bzw. Schuldiger ausgemacht. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Tat nicht genauso gut hätte in einer Neumond- oder Halbmondnacht passieren können und anhand welcher Kriterien belegt werden soll, dass ausgerechnet der Vollmond das Fass zum Überlaufen gebracht und eine Familientragödie ausgelöst hat. Unter Umständen war dem Täter der Mondstand relativ egal, möglicherweise gab es andere, viel konkretere Auslöser (z. B. gerichtlicher Mahnbescheid, Streit mit der Ehefrau, unerwartete Kündigung), die einen bereits länger schwelenden familiären Konflikt eskalieren ließen.

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